Kleiner Reisebericht mit einer Prise Gelassenheit, einem Schuss Abstand und viel Urspünglichkeit

Bornholm. Eine kleine dänische Insel mitten in der Ostsee. Gelegen irgendwo zwischen Schweden und Polen. Der Name der Insel ist geläufig. Aber sonst? Vor allem hier im Süden von Deutschland ist Bornholm kein gängiges Urlaubsziel. Die Schwaben und Bayern zieht es vor allem weiter in den Süden, an die Adria und ans Mittelmeer. Der ein oder andere fährt auch an die Nordsee. Klar. Aber noch weiter die Landkarte hoch und mit der Fähre stundenlang übers Meer? Diesen Weg nehmen nur wenige…

Schade eigentlich. Oder zum Glück! Denn genau deshalb findet man auf Bornholm noch Einsamkeit und Ursprünglichkeit, die wirklich Seltenheitswert hat.

Das muss man mögen – auch klar. Denn hier müssen sich Urlauber auf die Natur und die Bornholmer einstellen, nicht umgekehrt. Genau das macht jedoch den Charme aus. Den Charme der Unberührtheit. Zudem erhält man ein paar weitere Dinge, nebenbei, ganz kostenfrei:

Bornholm gibt den Anstoß für etwas mehr Gelassenheit. Für den Sinn nach Kreativität. Und für einen gewissen Abstand, von was auch immer. Ein Urlaub mitten unter Dänen – weit weg von vielem. 

Was ich schon am zweiten Tag von den Insulanern gelernt habe: Ihre Uhren ticken anders! Unser geplanter Einkehrschwung am späten Nachmittag in ein schönes Café mit lauschigem Garten endete so schnell, wie er begonnen hatte: „Wir schließen in ein paar Minuten. Die Küche wird schon geputzt.“ Sehr freundlich, aber auch sehr klar wurden unsere Wünsche nach ein paar kleinen Sandwichs abgelehnt. Immerhin durften wir noch mit einem Eis im wunderschönen Außenbereich verweilen, bis drinnen die abendlichen Aufräumaktionen erledigt waren. Es war nicht das letzte Mal, dass wir kurz vor knapp in einem Café oder Imbiss gerade noch etwas ergatterten.

Hier scheint der Feierabend heilig, während es gegen Mittag in den Städten brummt. Und Öffnungszeiten gestalten sich individuell: Ist nichts mehr los, schließt man eben. Kommen weniger Touristen, macht man später auf, egal was auf der Homepage steht.
 

Einmal saßen wir in den Abendstunden vor einer Fish- und Chips-Bude. Als nach uns niemand mehr kam, machte die Mitarbeiterin zu, obwohl das Öffnungszeitenschild etwas anderes sagte. Gerade als sie den Laden schloss, kam ein Auto mit örtlichem Kennzeichen. Kurzer Wortwechsel.Freundliches Schulterzucken bei ihr. Bedauerndes Schulterzucken bei ihm. Keine Diskussion.

Ich stellte mir damals diese Situation in der Stuttgarter Innenstadt vor und ging innerlich jede Wette ein, dass dort kräftig diskutiert worden wäre …

Nochmal „schnell“ einen weiteren Kunden bedienen und ein paar Minuten Arbeitszeit dranhängen – scheint eigentlich keine große Sache. Doch sind wir mal ehrlich: Nochmal „schnell“ oder „ganz kurz“ kann sich ziehen. Und einschleifen. Überstunden. Mehrarbeit. Wer kennt das nicht. Seine Arbeit nach einem Arbeitstag konsequent zu beenden ist oft nicht einfach. Häufig bläst Gegenwind. Auf Bornholm scheint das auf beiden Seiten bestens zu funktionieren. Sowohl das Einhalten als auch die Akzeptanz.

Und wir als Touristen hatten nun die Wahl, uns entweder aufzuregen oder eben auch – wie der Mann von der Insel – gelassen mit den Schultern zu zucken und einfach mal ein bisschen darüber nachzudenken…

Die Bornholmer sind übrigens unheimlich freundliche, gesprächige, hilfsbereite und offene Menschen, nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht. Dank des tollen BLOGS Bornholm My Love von Steffi Schroeter, die ich auf Bornholm persönlich kennengelernt habe, erhielten wir jede Menge Insidertipps, die uns zu Orten führten, an denen sich auch viele Bornholmer gerne aufhielten und schöne Stunden verbrachten. Auf einer mehrstündigen Kutschfahrt mitten durch den märchenhaften Wald Almindingen, bei der der Kutscher ausschließlich Dänisch sprach, übersetzte uns beispielsweise eine ganze dänische Familie abwechselnd alles, was der Reiseführer vorne auf dem Kutschbock so von sich gab. Dabei gab es viel zu lachen und wir haben neben den offiziellen Informationen eine Menge voneinander erfahren.

Feinste Sandkörner, unberührte Strände, einsame Buchten, lauschige Kiefernwälder, wilde Blaubeeren, raue Felsen, fliegende Wildgänse, grüne Wälder, brechende Wellen, idyllische Städtchen, regionale Delikatessen, unzählige Galerien, strahlender Sternenhimmel … genau das ist und findet man auf Bornholm.

Wer allerdings italienische Verhältnisse gewohnt ist, Strandliege und Sonnenschirm am Strand haben möchte, das Strandcafé für Cocktails und Pizza in unmittelbarer Nähe dazu sucht, mit Planschring und Luma im wohltemperierten Meer oder Pool schaukeln möchte und sich an einem abwechslungsreichen Abendprogramm erfreut – der wird enttäuscht sein. Hier fehlt jeglicher Trubel, die Animation. Das Klima ist rauer, die Ostsee sowieso. Die gebotenen Events sind überschaubar, dann allerdings vom Feinsten. Hier findet man eine berauschende Natur, unterschiedlichste Kreative und jede Menge Unberührtheit. Die Worte eines Bornholmers: „Wer hier lebt, muss mit sich selber klarkommen“, waren vor allem bezogen auf das manchmal sehr unwirtliche Winterhalbjahr. Ein ganz klein bisschen gilt dieser Satz aber auch für Urlauber.

Denn hier heißt es: selber gestalten. Oder auch mal nicht. Entspannen. Zeit mit sich, mit Freunden oder der Familie verbringen – zum Beispiel am Strand.

Das Erste, was uns am Strand begegnete war getrocknetes Seegras – und zwar eine ganze Menge. Und der Geruch war nicht unbedingt angenehm. Manchmal hieß das laufen, bis eine Stelle kam, an der es besser war. Das war anfangs unverständlich, manchmal auch lästig, vor allem wenn man Kinder im Schlepptau hat, die einfach nur ins Wasser wollen. Doch uns wurde nach wenigen Tagen erklärt, warum dieser Tang dort lag – und nicht schön säuberlich weggeräumt wurde. Eben für die Touristen. Die einen sauberen Strand und eine frische Meeresbrise wünschen. Bis vor wenigen Jahren säuberte man die Hauptstrände noch. Allerdings stellte man fest, dass der Strand dort zurückging und stetig kleiner wurde. Dem feinen Sand fehlte der Klebstoff – sein Seegras – und Wind und Wellen taten ihr übriges, ihn fortzuwehen. Die Bornholmer ruderten zurück und behielten die Natur im Auge. Heute bleibt der Tang dort, wo Wellen ihn hinspülen, auch wenn es mal muffelt und sich der ein oder andere Besucher der Insel daran stört. Nach der Erklärung murrte niemand mehr von uns – auch nicht die Kinder.

Das im Blick zu behalten, was wirklich gut tut, auch wenn es nicht jedem passt – es scheint sich zu lohnen, auch wenn es nicht immer sofort offensichtlich ist.

Was ich bei unseren Fahrten über die Insel – neben den vielen regionalen Delikatessen – besonders toll, individuell und vor allem für alle Beteiligten nützlich fand: die kleinen Buden überall – wir nannten sie einfach „die Kartofler“. Das sind selbst gebaute kleine Stände mit Geldkästchen zur Selbstbedienung. Darin bieten die Einheimischen häufig Kartoffeln an und machen mit dem Schild Kartofler darauf aufmerksam. Doch es gab im August nicht nur Kartoffeln, die vor den einzelnen Hauseingängen, in Hofeinfahrten oder an kleinen Wegkreuzungen angeboten wurden: Es lagen dort Blaubeeren, Pflaumen, selbst gemachte Marmelade, Honig, Feuerholz, Äpfel, Kräuter, Kleidung, und, und, und. Jeder Privatmann, der in seinem Garten zu viel Obst, Gemüse oder sonst etwas erntet, der stellt einen Stand auf.

Geben, was man übrig hat und nehmen, was man braucht. Davon profitieren alle – während unseres Urlaubs immer wieder auch wir.

Einen besonderen Abend verbrachte ich bei der Lesung meines „adeo-Kollegen“, dem Buchautor Udo Schroeter, am Lagerfeuer. Beiden Bücher von Udo („Bin am Meer“ und „Endlich wieder am Meer“) hatte ich bereits zu Hause gelesen. Diese und auch seine Wandkalender mit Meeresaufnahmen von Bornholm haben meine Urlaubswahl vor ein paar Monaten mitbeeinflusst. Seine Bücher sind Romane mit einer Vision, wie Menschen heute aus der Entfremdung und Hektik des Alltags wieder zurück zu sich selber und zu ihrer Kraft finden können. Eine klare Leseempfehlung für alle Stressgeplagten. Natürlich spielt das Ganze auf Bornholm. Den speziellen Strandabschnitt habe ich aufgesucht und jetzt endlich auch verstanden, wie es Meeresforellen schaffen, über einen Strand zu kommen, um in einem Fluss aufwärts zu schwimmen…

Es war sicher nicht meine letzte Reise nach Bornholm.

Die Insel ist wunderschön und die Zeit war Gold wert. Ob ich die dort empfundene Gelassenheit und Ruhe in meinen Alltag transportieren kann? Wenn ich alleine an die vergangenen Tage denke – sicher nicht immer. Aber ich rufe mir die schönen Wochen, die Natur und die Zeit für mich immer wieder ins Gedächtnis. Und versuche mich auch hier, immer mal wieder auszubremsen. Ist doch ein Anfang, oder?

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Wir laufen wieder gegen Krebs – noch ein Monat bis zum NCT-Lauf

Da ist er wieder – der Regenbogen. Das Symbol, das mich in den letzten Jahren immer wieder begleitet, verbunden und gestärkt hat. Dieser Farbenmix gibt mir Kraft und zaubert in Sekunden ein Lächeln in mein Gesicht. Für mich verbindet er den schrecklichsten Verlust meines Lebens mit schönen Erinnerungen, den Tod mit dem Leben. Denn meinen Mann verstarb an Krebs.

Krebs! Zerstörend und gefürchtet. Kräftezehrend und Angst einflößend. Doch auch ihm kann man den Kampf ansagen, etwas Positives entgegensetzen und so diese schwere Krankheit mit Hoffnung verbinden.

Eine tolle Gelegenheit dafür bietet der NCT-Lauf des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen am 8. Juli in Heidelberg. Alle Spenden dieses Laufs kommen der Krebsforschung zugute. Im letzten Jahr waren das mehr als 67.000 EUR. Dafür liefen über 2.000 Läufer, die sich im Kampf gegen diese Krankheit verbündet hatten. Es starteten Einzelläufer und Teams. Viele von ihnen liefen für Verwandte, Bekannte und Freunde, die an Krebs erkrankt sind.

Wir liefen mit dem #teamschnipsflausch, das in diesem Jahr bereits zum dritten Mal an den Start geht.

Gegründet wurde das Team für Heike, die während ihrer zweiten Schwangerschaft an Brustkrebs erkrankte und in dieser Zeit ihre Sorgen und Ängste unter dem Namen Schnips im Netz postete. Mehr über dieses einzigartige Team und seine Teilnehmer findet ihr auf der Homepage. Natürlich ist jedes neue Teammitglied immer herzlich willkommen!

Und keine Bange. Für den NCT-Lauf müsst ihr nicht mega sportlich sein – den NCT-Lauf schafft jeder.

Denn gelaufen wird auf einem Rundkurs von 2,5 km auf ebenem Campusgelände. Jeder entscheidet selbst, wie oft er auf die Strecke geht und in welchem Tempo er sie absolviert. Also ganz egal ob langsam oder schnell, mit Pausen oder ohne – ihr lauft, wie ihr könnt. Jede Runde zählt und das Motto heißt „dabei sein“! Und für alle, die eine größere Herausforderung suchen: Ab diesem Jahr gibt es parallel einen Halbmarathon.

Ach ja, Kinder sind übrigens jede Menge dabei. Auch Kinderwägen dürfen natürlich auf die Strecke. Und mit Frollein Hund haben wir im #teamschnipsflausch sogar einen Vierbeiner mit am Start!

Die Motivation meiner Tochter verstand die Organisation letztes Jahr bestens zu fördern – für sie waren nämlich die Trinkstände, an denen sie einen Becher und Traubenzucker schnappen konnte, absolute Spitze. Diese Stände erklärte sie bei jeder Runde zum Zwischenziel, von dem wir natürlich keines ausließen. Und dann der Wasserschlauch: Aufgrund der Juli-Hitze sponserte die Feuerwehr eine extra Portion Wasser, was neben dem Regenbogen auch noch eine tolle Abkühlung brachte.

Ihr seht – ein guter Zweck, nette Leute und jede Menge Spaß. Also nicht lange überlegen. Zur Anmeldung geht es direkt hier. Dabei könnt ihr euch als Einzelläufer oder gerne für das #teamschnipsflausch anmelden.

Ich freue mich, wenn wir uns am 8. Juli sehen. Jeder wird gebraucht und kann helfen, das diesjährige Spendenziel für die Krebsforschung mit 75.000 EUR zu verwirklichen.

 

 

Bildquelle: © NCT Heidelberg

Wie gut passen Bücher zu unserer Stimmung? Mit Buchtipps für gute und miese Tage.

Gestern habe ich es ausgelesen. Das etwas andere Buch von Charlotte Link. Anders deswegen, weil dieses Buch kein Roman, sondern ein Auszug aus ihrem Leben ist. In dem Buch Sechs Jahre schreibt sie über die Krankheit und den Tod ihrer Schwester Franziska, über tatsächlich erlebte Situationen, persönliche Gefühle, über Hoffnung, Schmerz und Trauer.

Es gab eine Zeit, da habe ich solche Erfahrungsberichte geradezu verschlungen, ja eigentlich kaum etwas anderes gelesen.

Erzählungen von Betroffenen, tatsächlich Erlebtes. Im richtigen Leben. Irgendwo auf der Welt. Oftmals ohne Happy End. In meinem Bücherregal stapelte sich Schicksal auf Schicksal. Es war in einer Zeit, in der es mir selber nicht gut ging. Wieso tust du dir das an?, wurde ich immer wieder gefragt. Eine berechtigte Fragen, die ich mir ehrlich gesagt selber stellte. Doch obwohl ich jede einzelne Erzählung gefühlsmäßig miterlebte, unbegründete Hoffnungen teilte, tiefe Verzweiflung mitempfand und auch beim Lesen ständig an eigene Erlebnisse erinnert wurde, ließ ich nicht davon ab. Erstaunlicherweise. Warum das? Und vor allem in dieser Intensität?

Mit diesen Büchern, mit diesen Personen verband mich nach dem Todesfall sehr viel – vor allem genau das, was mich vom Rest meines Umfelds trennte.

Ich hatte Verständnis für viele Handlungen in den Büchern und traf auf Gedanken, die sich mit meinen eigenen deckten. Ich las immer wieder von den gleichen Schwierigkeiten in Krankheitsphasen, von Sprachlosigkeit und von den Ängsten der Angehörigen. Ich las und las, fühlte mit, verstand, gehörte irgendwie dazu und war mit meinem Schicksal nicht mehr so allein. Wahrscheinlich war es für mich wie eine Art Mini-Trauergruppe im eigenen Wohnzimmer – immer in wechselnder Besetzung. Und heute?

Heute ist mein Bücherregal wieder deutlich bunter und die Mischung stimmt.

Manchmal habe ich keine Lust auf tiefsinnige Gedanken und möchte einfach nur locker und leicht unterhalten werden: zur Erholung, nach einem stressigen Tag, im Urlaub, wann auch immer. Doch genauso wie sich in meinem Leben gute und schlechte Tage abwechseln, so unterscheidet sich auch meine Literatur. Ich liebe lustige, geistreiche, verworrene und unterhaltende Romane, Sachbücher in den unterschiedlichsten Variationen, aber ich lese immer noch regelmäßig Lektüren, bei denen ich ab und zu tief durchatmen muss und bei denen mich Seiten nachdenklich stimmen.

Genau diese Mischung spiegelt mein Leben. Meine Stimmungen. Meine Gedanken.

Und auch meine Interessen, denn gerade durch Bücher öffnet sich mir immer wieder die Gelegenheit, andere Perspektiven kennenzulernen, mal über den Tellerrand zu blicken – eben durch Druckschrift auf die volle Bandbreite des Lebens zu stoßen. Auf Positives. Auf Neues. Auf Unwirkliches. Auf Bekanntes. Auf Schwieriges.

Da ja ein langes Wochenende ansteht, das nicht gerade mit guter Wettervorhersage glänzt, habe ich mal mein Bücherregal durchforstet und vier meiner Schätze für euch ausgewählt.

 

Meine ganz persönlichen Buchtipps für verschiedene Stimmungslagen:

 

  • Heute bin ich blond – das Mädchen mit den neun Perücken von Sophie von der Stap . Sophie schreibt ehrlich, direkt und oft mit Humor über ihr eigene Krebserkrankung, in der sie aufgrund des Haarverlustes je nach Stimmung unterschiedliche Perücken trägt und versucht, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Für Tage, an denen man sich einfach mal aufs Sofa verkriecht.

 

  • Patentöchter. Im Schatten der RAF – ein Dialog von Julia Albrecht und Corinna Ponto. Die Schwester der Terroristin und die Tochter des Opfers: ein starker Kontrast. Doch die beiden Autorinnen zeigen, wie diese zwei Pole einer politischen Geschichte verknüpft werden können. 30 Jahre lang keinerlei Kontakt, bis Julia Albrecht die Initiative ergreift, um das Schweigen zwischen den früher befreundeten Familien zu brechen. Genau richtig für ein verregnetes Wochenende.

 

  • Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb. Sie hat es gewagt, ganz spontan – Petra Hartlieb kaufte in Wien eine Buchhandlung und erfüllte sich einen Traum. Auf unterhaltende Weise erzählt sie von diesem Weg und ihrer Zuversicht, dass Buchhandlungen nicht der Vergangenheit angehören. Nach einem langen, stressigen Tag – zum Abschalten.

 

  •  Der Sommer, in dem es zu schneien begann von Lucy Clark. Spannend bis zum Schluss, emotional, aufrüttelnd und mitreißend. Ein Roman über Liebe, Trauer und Neuanfang. Fesselnd, unterhaltend und leicht zu lesen. Die perfekte Urlaubslektüre.

 

Und wenn ihr auch einen Tipp habt: Gerne! Ich bin immer wieder auf der Suche nach einem guten Buch.

 

Bildquelle:  © Anna Hamilton – stocksnap.io

 

 

Sonnenschein Willkommen! Doch wie genau schütze ich mich vor UV-Strahlung?

Schneeflocken im April? Kommt bei mir heute gar nicht gut an … Wie jedes Jahr im Frühling könnte ich auf die lausig kalten Tage gerne verzichten und hoffe inständig auf Wärme, lang anhaltenden Sonnenschein und auf die Zeit, in der man die Tage wieder mehr draußen als drinnen verbringt. Denn Sonnenlicht ist ein wahrer Stimmungsaufheller, schenkt gute Laune und kurbelt die wichtige Vitamin D Produktion im Körper kräftig an.

Wenn es dann endlich, endlich soweit ist, halte ich mich allerdings nicht mehr so sorglos wie früher in der Sonne auf und nehme Sonnenschutz mittlerweile sehr ernst. Denn neben vielen Vorteilen birgt die UV-Strahlung Gefahren, die viele unterschätzen. Auch weil Medien heute immer noch kräftig dazu beitragen, eine sonnengebräunte Haut als Schönheitsideal zu verkaufen, das Fitness und Vitalität ausstrahlt.

Mein Umdenken in Sachen Sonnenschutz war radikal,

nachdem mich vor einigen Jahren die Diagnose Hautkrebs traf. Und zwar gleich in doppelter Form: schwarzer und heller Hautkrebs.

Den schwarzen Hautkrebs kannte ich – ein malignes Melanom. Ein bösartiger Tumor der Pigmentzellen, der sich durch Metastasen rasend schnell im Körper ausweiten kann. Sonnenbrände in der Kindheit gelten dafür als Risikofaktor. Allerdings kann ich mich bei mir selber konkret an keinen erinnern. Also heißt es im Umkehrschluss nicht: keine Sonnenbrände und somit später kein Melanom! Denn Hautschädigung kommt schleichend, intensive Sonnenbänder tun ihr Übriges und gerade bei Kindern entwickelt sich der Schutzmechanismus der Haut erst mit den Jahren.

Was aber hat es mit dem hellen oder weißen Hautkrebs auf sich, der in vielen Teilen der Bevölkerung überhaupt nicht bekannt ist? Immerhin gehört der Basalzellkrebs, der zur Gruppe der hellen Hautkrebsarten zählt, zur häufigsten Hautkrebsart. Grundsätzlich stuft man den hellen Hautkrebs als weniger gefährlich ein als den schwarzen, da er selten streut und sich meist gut behandeln lässt. Wird er allerdings nicht entdeckt, kann er sehr viel umliegendes Gewebe zerstören. Heller Hautkrebs entsteht durch dauerhafte Sonneneinstrahlung und tritt deshalb häufig im Gesicht auf.

Was ist nun ein guter Sonnenschutz, damit man die Tage im Freien wirklich genießen kann?

Drinnen waren wir in den Wintermonaten ja nun lange genug. Für meine Diplomarbeit habe ich mich vor ein paar Jahren genau damit beschäftigt. Ich nahm mit Professor Dr. med. Eggert Stockfleth, Leiter des Hauttumorcentrums der Charité Berlin Kontakt auf und sprach mit Dr. med. Jessica Hassel, Hautärztin am Universitätsklinikum Heidelberg. Zudem besuchte ich in Heidelberg eine Kindertagesstätte, die das Label „Sonnenschutzkindergarten“ von der Europäischen Hautkrebsstiftung ESCF erhalten hatte. Diese Auszeichnung bekommt man als Einrichtung, wenn man gewisse Vorgaben zum Sonnenschutz erfüllt. Weitere Infos zu diesem tollen Projekt findet ihr unter Sun Pass Kindergarten.

Dr. Stockfleth bezeichnete die Haut damals als persönliches „Sonnenkonto“, auf das die Menschen mit UV-Strahlen einzahlen, aber nicht wieder abheben können. Wenn das Konto gefüllt ist, steigt das Hautkrebsrisiko an, denn der direkte Zusammenhang zwischen UV-Strahlung und Hautkrebs ist nachgewiesen. Menschen vom Hauttyp I und II (helle Haut und rötliche oder blonde Haare) haben ein deutlich kleineres Konto als dunklere Hauttypen.

Somit ist beim Sonnenschutz ganz wichtig:

  • Intensive UV-Strahlung meiden: Und das kann man in den sonnenintensivsten Monaten Mai bis September am besten in der Zeit zwischen 11 und 15 Uhr, denn da trifft rund die Hälfte der täglichen Strahlung auf die Erde.
  • Auf angemessene Kleidung achten: Eine Kopfbedeckung aufsetzen und auch im Sommer draußen Kleidung tragen, die die Schultern bedeckt und bis zu den Knien reicht. Spezielle UV-Schutzkleidung schützt die Haut generell besser als herkömmliche Baumwollkleidung. Vor allem am Strand und im Schwimmbad sind Sonnenschutz-Shirts und Hosen gut geeignet, da sie auch im Wasser schützen und schnell wieder trocknen. Gute Sonnenschutzkleidung findet ihr zum Beispiel auf der Seite Sonnenschützer.
  • Ausreichend und regelmäßig Sonnencreme benutzen: Und zwar als Ergänzung an den Hautstellen, die nicht durch Kleidung geschützt werden können. Also im Gesicht und an Armen und Beinen. Und das Nachcremen nicht vergessen. Wichtig sind Produkte mit ausgeglichenem UV-A und UV-B-Filter.
  • Eine Sonnenbrille aufsetzen: Auch schon die Kleinen. Denn intensives Sonnenlicht kann die Augen schädigen.

Ein gesundes Verhalten im Umgang mit der Sonne ist wegen der langfristigen Folgen wie vorzeitige Hautalterung, Schädigung der Augen und Hautkrebs

sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen extrem wichtig. Für australische Kinder gehört der Satz: „Slip on a shirt, slop on sunscreen, slap on a hat“ (Zieh dir ein T-Shirt an, creme dich mit Sonnenmilch ein und setz dir einen Hut auf) übrigens schon lange zum Alltag. Der Effekt der Kampagne ist überaus positiv, denn entgegen dem Trend in vielen anderen Ländern, sinkt in Australien die Zahl der Neuerkrankungen an Hautkrebs.

Ja, mittlerweile gehöre ich auch zur Fraktion der regelmäßig cremenden Gesellschaft in den sonnenintensiven Monaten.

Ich habe mich durch etliche Produkte probiert, denn nicht jede Sonnencreme lässt sich angenehm auftragen. Hängen geblieben bin ich bei Daylong, einer Sonnencreme aus der Apotheke. Zum einen, weil sie mir von mehreren Ärzten empfohlen wurde, zum anderen, weil sie gut einzieht und nicht klebt. Zu meiner Sommerkleidung zählen nun auch UV-Shirts, in die ich nicht nur mein Kind stecke, sondern ebenfalls trage. Auch wenn ich da am Strand oder im Schwimmbad in den letzten Jahren noch zu einer Minderheit bei den Erwachsenen gehörte …

Ach, und was neben dem Sonnenschutz natürlich auch nicht vergessen werden sollte: ein regelmäßiges Hautscreening beim Hautarzt. Denn wenn es zu einer Hautschädigung kam, kann man diese bei einer Kontrolle wenigstens frühzeitig entdecken und behandeln.

Und jetzt heiß es: Daumendrücken für den Frühling, für Wärme und für schönen Sonnenschein 😉

 

Bildquelle: © Natallia Vintsik – fotolia.com

Leben neu gestalten. Und was das mit Barcelona zu tun hat.

Der Cut vor ein paar Jahren war hart. Und traf viele Bereiche unseres bisherigen Lebens. Durch den Tod meines Mannes änderte sich fast alles. Auch wenn ich das anfangs in manchen Bereichen versuchte zu ignorieren. Zum Beispiel beim Thema Urlaub machen. Wir verreisten und verreisen auch heute noch viel mit Freunden und Familie, ganz individuell. Doch immer klappt das eben nicht. Und manchmal hat man auch einfach das Bedürfnis, mal in kleiner Runde, sprich nur Eltern und Kind/er wegzufahren. Familienurlaub zu machen. Ganz für sich.

Doch dafür gab es plötzlich nur noch zwei – meine Tochter und mich. Eine wirklich sehr kleine Familienrunde.

Um das zu überspielen, fuhr ich mit ihr in ein Familienhotel – in den tiefsten Bayerischen Wald. Was andere können, das können wir auch. Dachte ich. Aber diese Annahme ging gründlich schief. Ich hockte mit meinem Kind zwischen zahlreichen glücklichen Familien und fühlte mich völlig fehl am Platz. Wollte nur noch weg. Fort von den vollständigen Familien, die zumindest nach außen hin jede Menge Spaß zu haben schienen. Die dauerhaft fröhliche Stimmung hielt ich kaum aus. Dass ich, dass wir, dass unsere kleine Familie anders und unvollständig war, wurde mir quasi ohne Unterbrechung vor Augen geführt. So ging das nicht. Natürlich konnte ich die massive Veränderung in unserem Leben nicht einfach ausblenden. Das war mir nach dieser Woche schmerzlich bewusst. Was aber ging dann?

Zu Hause zu bleiben war für mich auch keine Alternative.

Mich einfach in Kanada in einen Pickup-Camper setzen und drauflosfahren – so wie früher. Eine wunderschöne Vorstellung. Leider völlig unrealistisch. Denn dazu fehlte mir eindeutig der Mut. Mit meinem Mann hatte ich das schon mehrfach gemacht, doch allein mit Kind – das traute ich mich nicht. Was also dann?

Wie konnte ich unser Leben zumindest ab und zu neu gestalten, ohne erneut heftig auf die Nase zu fallen?

Der Zufall half. Ich hatte beruflich einen Workshop in Berlin. Und als ich zurückkam, war für mein Kind klar: Da will ich aber auch mal hin! Und das vergaß sie nicht. Immer wieder fragte sie nach. Kinder können ja manchmal ganz schön penetrant sein … Der Wunsch setzte sich fest. Bis daraus tatsächlich eine Kurzreise wurde. Meine anfänglichen Zweifel schob ich beiseite. Ich ignorierte ihr Alter mit gerade mal sechs Jahren und kaufte einen Kinderreiseführer, der für ein paar Abende zur heiß begehrten Bettlektüre bei ihr wurde. Daraufhin buchte ich uns Bahntickets für den ICE und einen Flug zurück. Bald darauf ging es los

Städtetour. Berlin. Mama und Tochter. Wir. Und jede Menge Menschen um uns herum.

Jeder anders. Allein, zu zweit zu vielen. Ganz individuell. In einer riesigen Großstadt, in der man quasi alles trifft und dabei selber ganz unscheinbar wird. Wir mischten mit. Fühlten uns genau da wohl. Und anders. Aber dennoch nicht anders als der Rest der Welt. Und begaben uns auf Erkundungstour. Wir hatten ein paar grobe Ziele. Doch wer Kinder hat, der weiß: Flexibilität ist alles. Darauf ließen wir uns ein. Spontan. Im eigenen Tempo.

Es war toll. Einfach schön. Und für uns beide neu,

denn eine Stadt mit Kind zu entdecken, unterschied sich auch für mich ziemlich vom Städtetrip eines Pärchens. Es verband uns zwei noch ein bisschen mehr. Wir hatten für unser verändertes Leben etwas gefunden, etwas Passendes, genau richtig für Mama und Tochter. Neue, unbekannte Wege auszuprobieren, kostet manchmal ganz schön Überwindung. Wenn sie aber zu einem passen, helfen sie nach einer schweren Zeit, wieder ein paar Glücksmomente einzufangen …

Es blieb übrigens nicht bei Berlin.

Mittlerweile hat sich unser jährlicher Kurztrip in eine Metropole quasi etabliert. Jedes Mal ist die Vorfreude riesig und die Erinnerungen sind im Nachhinein Gold wert. Wir radelten schon durch Amsterdam, saßen in der Straßenbahn von Wien, schaukelten im Doppeldecker durch London und überquerten erst vor ein paar Tagen mit der Seilbahn den Hafen von Barcelona. Das Foto dieses Beitrags ist aus dem Park Gȕell auf einer Anhöhe von Barcelona, von der aus man einen gigantischen Blick über die ganze Stadt hat. Genial!

Ach ja, und wenn ihr einen Städtetipp für uns habt – immer her damit. Unser Ziel für 2017 ist noch offen 😉

 

Und plötzlich bin ich Lehrerin …

Deutschlehrerin? Ich?? In einem Kurs für Flüchtlinge? Hätte mir das irgendjemand vor ein paar Jahren gesagt, ich hätte schallend gelacht. Berufserfahrung? Fehlanzeige! Schon in der Schule lag mir jedes An-die-Tafel-Vorkommen im Magen. Und auch später schrie ich bei Präsentationen nicht gerade hier, kam trotzdem nicht dran vorbei und war froh, wenn eine Schulung vorüber war. Ein Job als Lehrerin lag bisher weit entfernt. Warum also? Und überhaupt:

„Hast du dafür eigentlich Zeit?“

Das habe ich in den vergangenen Wochen immer wieder gehört. Nein, EIGENTLICH habe ich dafür überhaupt keine Zeit: Teilzeitjobberin, Freiberuflerin, Vollzeitmama, Alleinerziehende, Familienmanagerin, MitKindHausiPaukerin, MamaTaxifahrerin und … ach, ihr kennt das alles. EIGENTLICH weiß ich mich auch ohne ehrenamtlichen Deutschkurs ganz gut zu beschäftigen. Warum dann trotzdem?

Ja, warum? Trotzdem!

Seit Monaten sehe ich Bilder im Fernsehen, schaue Nachrichten, lese Zeitung. Und bin betroffen. Betroffen vom Schicksal anderer Menschen, aufgrund ihrer schrecklichen Erlebnisse, ihrer Armut und ihrer momentanen Not. Und ich bin geschockt. Geschockt über Reaktionen und Äußerungen deutscher Menschen, die diese Bilder wegwischen, aufgrund ihres Argwohns, ihrer Angst vor Veränderung und ihrer angeblichen Sorge um ihr Land.

Deshalb! Und weil ich auch keine Lösung parat habe.

Denn ich bin froh, dass ich es nicht bin, die die „großen“ politischen Fragen knacken muss. Ich wüsste auch gar nicht, was tun. Die unendliche Masse an Einzelschicksalen macht mich ratlos. Was ist da der richtige Weg? Wie kann man allen gerecht werden? Keine Ahnung. Ich weiß es auch nicht. Ich kenne nur einen falschen Weg. Einen, der Mauern um Deutschland errichtet und Fremdenhass schürt, der christliche Werte wie Mitmenschlichkeit außer Acht lässt und Nächstenliebe vernachlässigt.

Deshalb helfe ich im Kleinen, um was zu tun.

Weil ich überzeugt davon bin, dass tatenlos zusehen oder ausschließlich zu protestieren nicht weiterhilft. Keinem der Flüchtlinge, die teilweise traumatisiert in Unterkünften sitzen und warten. Warten, bis irgendjemand entscheidet, ob es in Deutschland für sie eine Zukunft gibt oder nicht. Denn das macht mürbe und passiv, manche ungeduldig und reizbar. Und das wiederum hilft uns allen nicht. Ein Abschotten geht nicht mehr. Die Veränderung ist da und wird uns weiter begleiten. Und sie wird sicher nicht rund laufen. Die Integration. Die aber nur mit unserer Unterstützung und mit dem Aufklären über unsere Werte beginnen kann. Mit Kommunikation und Begegnung. Und mit der deutschen Sprache. Im Kleinen. Dafür braucht es Gelegenheiten: beim gemeinsamen Sport, bei Gesprächen im Alltag oder eben in einem Deutschkurs.

Nur so wird das Fremde ein bisschen weniger fremd – für beide Seiten.

 

 

 

Bildquelle: © FM2 – fotolia.com

Zurück zu mehr Leichtigkeit im Leben: Tanztherapie nach Krebs

Nicht jedem liegen Worte. Oder Gespräche. Manchmal ist es auch einfach schwer, Worte zu finden. Worte für starke Empfindungen wie Sorgen und Wut, aber auch für Hoffnung und Perspektive. Besonders nach einer Krebstherapie, die alles Bisherige ins Wanken brachte. Die Ängste, Schmerzen, Einschränkungen, daneben Krankenhausaufenthalte, Chemo und Bestrahlung auf den Plan rief. Zudem Partnerschaft, Familie und Haushalt aus dem Gleichgewicht brachte. Eine Phase, in der bisher Wichtiges plötzlich unwichtig war.

Dann ist die Krebstherapie geschafft! Große Erleichterung. Und nun?

Zurück zum Alltag? Bei diesem Chaos in und um einen herum? Eine ehemalige Klassenkameradin von mir stand nach ihrer Krebserkrankung vor fünf Jahren genau an diesem Punkt. Sie entschied sich für eine Tanztherapie, die sie in der Reha kennengelernt hatte. Seitdem und bis heute hält sie in regelmäßigen Abständen daran fest: „Während der Stunden fühle ich mich wie befreit und erleichtert. Ich verliere die Angst und diese Beklemmungen, obwohl der Krebs immer wieder Thema ist.“ Das Tanzen stärkt sie, neue Kraft und Mut zu entwickeln, wieder Boden unter sich zu spüren. Aufgrund dieser positiven Erfahrungen sprach sie mich an und stellte den Kontakt zu ihrer Therapeutin her.

„Tanzen nach Krebs hilft dabei, wieder zu sich selbst zu finden, sich Gefühlen mit der Sprache des Körpers zu stellen und innere Bilder wahrzunehmen.“

Elana Mannheim spricht aus Erfahrung. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie und Psychoonkologin aus Freiburg begleitet seit 20 Jahren Frauen mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern auf diesem Weg. Sie unterstützt sie, Zugang zu verschütteten Emotionen zu finden und sich wieder achtsam und liebevoll dem Körper zuzuwenden. Sie hilft, neue Wege zu finden und die Krankheit zu verarbeiten. Mit einer künstlerischen und körperlichen Methode.

Kunst und Krebs? Kreativität und Lebensbedrohung? Wie passt das denn zusammen?

Eine ungewöhnliche Kombination, die funktioniert. Denn Kunst ist nun mal das Schaffen und der Ausdruck von Gefühlen und Gedanken. Starke Gefühle und zahlreiche Gedanken gibt es auch bei Krebs. Doch oft ist es schwer, sie auszudrücken. Genau dazu ermutigt die Tanztherapie nach Krebs. Durch Körpersprache. Und Reflexion. Für Elana Mannheim stabilisiert die Therapie genau deshalb auch den Alltag. Denn „Tanzen nach Krebs hilft dabei, neue Perspektiven zu finden, die die Partnerschaft, die Familie oder den beruflichen Wiedereinstieg betreffen.“ Und gestaltet so das veränderte Leben nach der Krankheit mit.

Wie kann man sich eine Tanztherapie denn vorstellen?

Mache ich da etwas Jazz Dance oder Yoga oder Ballett? Tanze ich auf der Stelle, springe ich in die Luft oder verbiege ich meinen Körper? Keins von alledem. Und ein bisschen von allem zusammen. Denn es geht um ein individuelles, tänzerisches Ausprobieren, um Kreativität und um das, was einem selber liegt. Es geht nicht um Leistung, es geht ausschließlich um ein Erleben. Manchmal auch um ein Loslassen. Es gibt keine Zwänge, nur viele Möglichkeiten. Beim Tanzen gibt Elana Mannheim niemandem Schritte vor – diese finden ihre Teilnehmerinnen wie von selbst. Jede Stunde beginnt langsam und mit fließenden Bewegungen. Jedes Mal gibt es ein Thema. Verschiedenste Materialien wie Tücher, Hölzer oder Kissen unterstützen.

Wie findet sich dabei denn nun eine neue Perspektive?

Sinnliche Bewegung, hineinspüren. Aufstampfen, Ventile finden. Bewusstes Atmen, statt Luft anhalten. Erstarrtes lösen und Verhaltensmuster erkennen. Den Körper besser wahrnehmen. Jede Stunde endet zudem mit der Reflexion und dem verbalen Austausch von Erfahrungen. Manchmal auch schriftlich, denn die Tanztherapeutin ermutigt ihre Teilnehmerinnen dazu, ein Tanztagebuch zu führen. So halten sie positive Momente des Tanzens fest.

Letztendlich geht es darum: Neue Leichtigkeit im Leben finden und Glücksmomente einfangen!

Bei der Gruppenstunde steht nicht die verbale Auseinandersetzung mit der Krankheit, sondern die Bewegung im Fokus. Bei einer Einzeltherapie kann die Gewichtung anders liegen, denn die Einzelstunde erlaubt Elana Mannheim eine hohe Flexibilität. „Hier kann ich mit der Patientin gehen und immer schauen, was sie gerade braucht.“ Doch auch in der Familie gibt es bei Krebs viele angestaute Gefühle. Besonders Partner und Kinder leiden stark und verbergen Emotionen wie Wut und Trauer. Der von Elana Mannheim mitgegründete Verein Tanztherapie nach Krebs e.V. unterstützt betroffene Familie überregional mit zwei wichtigen Themen:

  • Zeit für uns – Mutter und Tochter/ ein Seminar für krebsbetroffene Mütter mit ihren jugendlichen Töchtern
  • Zeit für uns – Mann und Frau/ ein Seminar für krebsbetroffene Frauen mit ihrem Partner

Infos darüber findet ihr auf der Homepage des Vereins .

Doch Freiburg ist ja so weit weg! Also nichts für mich? Und ob!

Eine Therapeutenliste für ganz Deutschland findet sich unter der Homepage des oben genannten Vereins Tanztherapie nach Krebs e.V.. Und Seminare mit Elana Mannheim gibt es nicht nur in Freiburg. Tagesseminare bietet sie auch in Frankfurt/Offenbach, Stuttgart, Wiesbaden und ein intensives Wochenendseminar in Hanau an. Und für alle, die sich zudem einen idealen Kraftort, Natur und Idylle wünschen: ihre Ferienseminare finden 2016 in Bayrischzell, auf Lesbos und in Andalusien statt. Ein Reinschnuppern ist also an verschiedenen Orten möglich. Einziger Wermutstropfen dabei: keine Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Ausführliche Infos erhaltet ihr auf der Homepage onkodanza.

Und übrigens:

Die Tanztherapie gibt es nicht nur im Bereich Krebs. Auch bei Depressionen, Stress, Angststörungen oder bei Schmerzpatienten kann sie eine Behandlung unterstützen. Denn letztendlich geht es darum, wieder Vertrauen in den eigenen Körper aufzubauen, Positives mit ihm zu verbinden und sich einfach in ihm wohlzufühlen.

 

 

 

Bildquelle: © ilfotokunst – fotolia.com

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Wie damit umgehen, wenn sich das Leben von heute auf morgen verändert?