Leben neu gestalten. Und was das mit Barcelona zu tun hat.

Der Cut vor ein paar Jahren war hart. Und traf viele Bereiche unseres bisherigen Lebens. Durch den Tod meines Mannes änderte sich fast alles. Auch wenn ich das anfangs in manchen Bereichen versuchte zu ignorieren. Zum Beispiel beim Thema Urlaub machen. Wir verreisten und verreisen auch heute noch viel mit Freunden und Familie, ganz individuell. Doch immer klappt das eben nicht. Und manchmal hat man auch einfach das Bedürfnis, mal in kleiner Runde, sprich nur Eltern und Kind/er wegzufahren. Familienurlaub zu machen. Ganz für sich.

Doch dafür gab es plötzlich nur noch zwei – meine Tochter und mich. Eine wirklich sehr kleine Familienrunde.

Um das zu überspielen, fuhr ich mit ihr in ein Familienhotel – in den tiefsten Bayerischen Wald. Was andere können, das können wir auch. Dachte ich. Aber diese Annahme ging gründlich schief. Ich hockte mit meinem Kind zwischen zahlreichen glücklichen Familien und fühlte mich völlig fehl am Platz. Wollte nur noch weg. Fort von den vollständigen Familien, die zumindest nach außen hin jede Menge Spaß zu haben schienen. Die dauerhaft fröhliche Stimmung hielt ich kaum aus. Dass ich, dass wir, dass unsere kleine Familie anders und unvollständig war, wurde mir quasi ohne Unterbrechung vor Augen geführt. So ging das nicht. Natürlich konnte ich die massive Veränderung in unserem Leben nicht einfach ausblenden. Das war mir nach dieser Woche schmerzlich bewusst. Was aber ging dann?

Zu Hause zu bleiben war für mich auch keine Alternative.

Mich einfach in Kanada in einen Pickup-Camper setzen und drauflosfahren – so wie früher. Eine wunderschöne Vorstellung. Leider völlig unrealistisch. Denn dazu fehlte mir eindeutig der Mut. Mit meinem Mann hatte ich das schon mehrfach gemacht, doch allein mit Kind – das traute ich mich nicht. Was also dann?

Wie konnte ich unser Leben zumindest ab und zu neu gestalten, ohne erneut heftig auf die Nase zu fallen?

Der Zufall half. Ich hatte beruflich einen Workshop in Berlin. Und als ich zurückkam, war für mein Kind klar: Da will ich aber auch mal hin! Und das vergaß sie nicht. Immer wieder fragte sie nach. Kinder können ja manchmal ganz schön penetrant sein … Der Wunsch setzte sich fest. Bis daraus tatsächlich eine Kurzreise wurde. Meine anfänglichen Zweifel schob ich beiseite. Ich ignorierte ihr Alter mit gerade mal sechs Jahren und kaufte einen Kinderreiseführer, der für ein paar Abende zur heiß begehrten Bettlektüre bei ihr wurde. Daraufhin buchte ich uns Bahntickets für den ICE und einen Flug zurück. Bald darauf ging es los

Städtetour. Berlin. Mama und Tochter. Wir. Und jede Menge Menschen um uns herum.

Jeder anders. Allein, zu zweit zu vielen. Ganz individuell. In einer riesigen Großstadt, in der man quasi alles trifft und dabei selber ganz unscheinbar wird. Wir mischten mit. Fühlten uns genau da wohl. Und anders. Aber dennoch nicht anders als der Rest der Welt. Und begaben uns auf Erkundungstour. Wir hatten ein paar grobe Ziele. Doch wer Kinder hat, der weiß: Flexibilität ist alles. Darauf ließen wir uns ein. Spontan. Im eigenen Tempo.

Es war toll. Einfach schön. Und für uns beide neu,

denn eine Stadt mit Kind zu entdecken, unterschied sich auch für mich ziemlich vom Städtetrip eines Pärchens. Es verband uns zwei noch ein bisschen mehr. Wir hatten für unser verändertes Leben etwas gefunden, etwas Passendes, genau richtig für Mama und Tochter. Neue, unbekannte Wege auszuprobieren, kostet manchmal ganz schön Überwindung. Wenn sie aber zu einem passen, helfen sie nach einer schweren Zeit, wieder ein paar Glücksmomente einzufangen …

Es blieb übrigens nicht bei Berlin.

Mittlerweile hat sich unser jährlicher Kurztrip in eine Metropole quasi etabliert. Jedes Mal ist die Vorfreude riesig und die Erinnerungen sind im Nachhinein Gold wert. Wir radelten schon durch Amsterdam, saßen in der Straßenbahn von Wien, schaukelten im Doppeldecker durch London und überquerten erst vor ein paar Tagen mit der Seilbahn den Hafen von Barcelona. Das Foto dieses Beitrags ist aus dem Park Gȕell auf einer Anhöhe von Barcelona, von der aus man einen gigantischen Blick über die ganze Stadt hat. Genial!

Ach ja, und wenn ihr einen Städtetipp für uns habt – immer her damit. Unser Ziel für 2017 ist noch offen 😉

 

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6 Kommentare zu „Leben neu gestalten. Und was das mit Barcelona zu tun hat.“

  1. war mit meinter Tochter (damals 6 Jahre) alleine in Hamburg für 5 Tage unterwegs.. und haben noch lang nicht alles gesehen, was ich auf dem Programm hatte.
    Haben auch einen speziellen Kinder Reiseführer gekauft und dadurch sehr viel interessantes angeschaut was beiden Spaß machte.
    Das kann ich dir gerne, falls Hamburg mal auf dem Plan steht, ausleihen.
    Sibylle

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  2. Hamburg habe ich mit Kind nur mal gestreift. Könnte ich mir gut vorstellen … Lieben Dank für den Tipp und das Angebot. Ich bin von Kinderreiseführern begeistert. In Barcelona standen wir eine ganze Weile vor einer Fassade der Sagrada Familia, weil wir die Schildkröten aus dem Reiseführer gesucht haben 😉 LG

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