Wie gut passen Bücher zu unserer Stimmung? Mit Buchtipps für gute und miese Tage.

Gestern habe ich es ausgelesen. Das etwas andere Buch von Charlotte Link. Anders deswegen, weil dieses Buch kein Roman, sondern ein Auszug aus ihrem Leben ist. In dem Buch Sechs Jahre schreibt sie über die Krankheit und den Tod ihrer Schwester Franziska, über tatsächlich erlebte Situationen, persönliche Gefühle, über Hoffnung, Schmerz und Trauer.

Es gab eine Zeit, da habe ich solche Erfahrungsberichte geradezu verschlungen, ja eigentlich kaum etwas anderes gelesen.

Erzählungen von Betroffenen, tatsächlich Erlebtes. Im richtigen Leben. Irgendwo auf der Welt. Oftmals ohne Happy End. In meinem Bücherregal stapelte sich Schicksal auf Schicksal. Es war in einer Zeit, in der es mir selber nicht gut ging. Wieso tust du dir das an?, wurde ich immer wieder gefragt. Eine berechtigte Fragen, die ich mir ehrlich gesagt selber stellte. Doch obwohl ich jede einzelne Erzählung gefühlsmäßig miterlebte, unbegründete Hoffnungen teilte, tiefe Verzweiflung mitempfand und auch beim Lesen ständig an eigene Erlebnisse erinnert wurde, ließ ich nicht davon ab. Erstaunlicherweise. Warum das? Und vor allem in dieser Intensität?

Mit diesen Büchern, mit diesen Personen verband mich nach dem Todesfall sehr viel – vor allem genau das, was mich vom Rest meines Umfelds trennte.

Ich hatte Verständnis für viele Handlungen in den Büchern und traf auf Gedanken, die sich mit meinen eigenen deckten. Ich las immer wieder von den gleichen Schwierigkeiten in Krankheitsphasen, von Sprachlosigkeit und von den Ängsten der Angehörigen. Ich las und las, fühlte mit, verstand, gehörte irgendwie dazu und war mit meinem Schicksal nicht mehr so allein. Wahrscheinlich war es für mich wie eine Art Mini-Trauergruppe im eigenen Wohnzimmer – immer in wechselnder Besetzung. Und heute?

Heute ist mein Bücherregal wieder deutlich bunter und die Mischung stimmt.

Manchmal habe ich keine Lust auf tiefsinnige Gedanken und möchte einfach nur locker und leicht unterhalten werden: zur Erholung, nach einem stressigen Tag, im Urlaub, wann auch immer. Doch genauso wie sich in meinem Leben gute und schlechte Tage abwechseln, so unterscheidet sich auch meine Literatur. Ich liebe lustige, geistreiche, verworrene und unterhaltende Romane, Sachbücher in den unterschiedlichsten Variationen, aber ich lese immer noch regelmäßig Lektüren, bei denen ich ab und zu tief durchatmen muss und bei denen mich Seiten nachdenklich stimmen.

Genau diese Mischung spiegelt mein Leben. Meine Stimmungen. Meine Gedanken.

Und auch meine Interessen, denn gerade durch Bücher öffnet sich mir immer wieder die Gelegenheit, andere Perspektiven kennenzulernen, mal über den Tellerrand zu blicken – eben durch Druckschrift auf die volle Bandbreite des Lebens zu stoßen. Auf Positives. Auf Neues. Auf Unwirkliches. Auf Bekanntes. Auf Schwieriges.

Da ja ein langes Wochenende ansteht, das nicht gerade mit guter Wettervorhersage glänzt, habe ich mal mein Bücherregal durchforstet und vier meiner Schätze für euch ausgewählt.

 

Meine ganz persönlichen Buchtipps für verschiedene Stimmungslagen:

 

  • Heute bin ich blond – das Mädchen mit den neun Perücken von Sophie von der Stap . Sophie schreibt ehrlich, direkt und oft mit Humor über ihr eigene Krebserkrankung, in der sie aufgrund des Haarverlustes je nach Stimmung unterschiedliche Perücken trägt und versucht, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Für Tage, an denen man sich einfach mal aufs Sofa verkriecht.

 

  • Patentöchter. Im Schatten der RAF – ein Dialog von Julia Albrecht und Corinna Ponto. Die Schwester der Terroristin und die Tochter des Opfers: ein starker Kontrast. Doch die beiden Autorinnen zeigen, wie diese zwei Pole einer politischen Geschichte verknüpft werden können. 30 Jahre lang keinerlei Kontakt, bis Julia Albrecht die Initiative ergreift, um das Schweigen zwischen den früher befreundeten Familien zu brechen. Genau richtig für ein verregnetes Wochenende.

 

  • Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb. Sie hat es gewagt, ganz spontan – Petra Hartlieb kaufte in Wien eine Buchhandlung und erfüllte sich einen Traum. Auf unterhaltende Weise erzählt sie von diesem Weg und ihrer Zuversicht, dass Buchhandlungen nicht der Vergangenheit angehören. Nach einem langen, stressigen Tag – zum Abschalten.

 

  •  Der Sommer, in dem es zu schneien begann von Lucy Clark. Spannend bis zum Schluss, emotional, aufrüttelnd und mitreißend. Ein Roman über Liebe, Trauer und Neuanfang. Fesselnd, unterhaltend und leicht zu lesen. Die perfekte Urlaubslektüre.

 

Und wenn ihr auch einen Tipp habt: Gerne! Ich bin immer wieder auf der Suche nach einem guten Buch.

 

Bildquelle:  © Anna Hamilton – stocksnap.io

 

 

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